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Wenn Entwicklungskosten explodieren

- Das ITER Hauptquatier im südfranzösischen Cadarache (Foto: ITER Organization)
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union setzen sich dafür ein, dass der europäische Kostenanteil am Forschungsreaktor Iter auf 6,6 Milliarden Euro begrenzt wird. Dies hat, nach einigen vorausgegangenen Aufregungen, die Bundesregierung Anfang Juli 2010 dem Bundestagsausschuß für Bildung und Forschung mitgeteilt. In dem Reaktor, der im französischen Cadarache entstehen wird, soll die Energieerzeugung durch Kernfusion erforscht werden. An dem Projekt sind neben der Europäischen Union sechs weitere Partner, darunter vor allem die USA (die zwischendurch offenbar auch wieder hatten aussteigen wollen), Russland, Japan und China beteiligt. Die EU, so ist es vereinbart, trägt 45 Prozent der Kosten.
Fusionsfeuer nach Vorbild der Sonne
Das Projekt ist in der Öffentlichkeit bislang nicht besonders bekannt. „Iter“ ist ein lateinischer Ausdruck und heißt „der Weg“. Was in Cadarache entstehen soll, ist also ein „Wegbereiter“ zur Schaffung eines Fusionsfeuers nach dem Vorbild der Sonne. Die Technik soll sich später – nicht vor dem Jahr 2055 - in Kraftwerken nutzen lassen. Dazu muss es den Forschern gelingen, ein Wasserstoffplasma in Magnetfeldern einzuschließen und auf 200 Millionen Grad (!) aufzuheizen. Als Brennstoff dient radioaktives Tritium, das ständig neu im Reaktormantel entsteht. Es wird aus Lithium erbrütet. Soweit die Theorie.

- Die Fläche für den Forschungsreaktor ist bereits fertig gestellt (Foto: Agence ITER France)
Jetzt sollen die Kosten „gedeckelt“ werden
Dann die Praxis: Ursprünglich sollte der europäische Anteil an Iter rund 2,7 Milliarden Euro betragen. Aber im Frühjahr 2010 mußte die EU-Kommission bekanntgeben, dass die Kosten für die Gemeinschaft auf 7,2 Milliarden Euro steigen könnten und forderte die Mitgliedsstaaten auf, die Mehrkosten zu übernehmen. Dies aber wurde von Deutschland und den anderen Mitgliedern abgelehnt. Stattdessen einigte man sich darauf, den europäischen Anteil auf 6,6 Milliarden Euro zu begrenzen und die Mehrkosten in erster Linie aus dem europäischen Forschungshaushalt zu decken. Für die Jahre 2012 und 2013 erwartet die Bundesregierung Mehrkosten in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Diese Deckelung sollte dann Ende Juli 2010 mit den anderen Projektpartnern verhandelt werden.
Die Fraktionen bleiben bei der Stange
So ist zur Jahresmitte 2010 national wie international ein finanzielles Tauziehen um das Forschungsprojekt Iter entstanden, das von allen trotz vieler Vorbehalte doch begrüßt wird. Das spiegelt sich deutlich in den Stellungnahmen der Berliner Bundestagsfraktionen: Die CDU/CSU begrüßt die Deckelung der Kosten und fordert eine rasche Lösung der finanziellen Probleme. Die SPD kritisiert die Finanzierung der Iter-Mehrkosten aus dem europäischen Forschungshaushalt – das gehe zu Lasten „anderer wichtiger Forschungsbereiche“. Auch für die FDP ist ein Ausstieg aus dem Projekt undenkbar, genau für die Grünen. Sie beklagen allerdings, dass der Forschungsreaktor frühestens ab 2055 Fusionsenergie liefern werde. Die Linksfraktion hingegen kritisiert, dass Iter keinen „aktuellen“ Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leiste.
Der Reaktor soll im Jahr 2018 fertig gestellt sein. Wenn die Finanzierung steht und stimmt.
[KS]
