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Windenergie – nur ein laues Lüftchen?

- Windenergie werde künftig weltweit eine zentrale Rolle spielen. (Foto: pixelio.de/Andrea Kusajda)
„Zeit, dass sich was dreht“, war das Motto 2010 des „Global Wind Day“ Mitte Juni in 20 europäischen Ländern. Mit dem nachdrücklichen Hinweis von Bundesumweltminister Norbert Röttgen, Windenergie werde künftig weltweit eine zentrale Rolle spielen. Um diese Entwicklung zu vertiefen, gibt es beispielsweise eine deutsch-französische Koordinierungsstelle Windenergie. Die in ihren Grundzügen bereits seit 2006 bestehende deutsch-französische Kooperation für Windenergie, nach eigenen Worten „Windvermittler zwischen Deutschland und Frankreich“, fristet, so scheint es zumindest, ein bisschen ein Schattendasein. Das mag an der Aufgabenstellung liegen, am nicht besonders üppigen Personalbestand, an wenig intensivem politischem Interesse. So war es zumindest ein kleines politisches Signal, dass diese Koordinierungsstelle offenbar auch Gegenstand der jüngsten Gespräche zwischen dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst in Berlin war. Denn diese Einrichtung bedarf offenbar einer Blutauffrischung, eines neuen politisch-wirtschaftlichen Impulses.
Ein Verein zur Förderung der Windenergie
Die Koordinierungsstelle Windenergie ist ein Verein zur Förderung der Windenergie in Deutschland und Frankreich. Begründet wurde sie auf gemeinsame Initiative des Bundesumweltministeriums und des Pariser Ministère délégué à l’Industrie. Unterstützt wird sie beispielsweise auf deutscher Seite vom Bundesverband WindEnergie oder der deutschen Energie-Agentur und zahlreichen Unternehmen der Branche. Diese Einrichtungen haben in der Koordinierungsstelle natürlich ihr französisches Pendant.
Kooperationen sollen angestoßen werden
Wenn man hinter die Kulissen leuchtet, zeigt sich, dass die Koordinierungsstelle zwar dem Gedankenaustausch in Sachen Windenergie dient und dienen soll, häufig aber ein Debattierklub ist mit dem Anspruch, „den Wissenstransfer zu fördern, die Akteure zu vernetzen und Sprachbarrieren zu überwinden“. Auf Fachkonferenzen dieser Koordinierungsstelle treffen sich Experten und Entscheidungsträger aus beiden Ländern, „um aktuelle Fragen im Bereich der Windenergie zu diskutieren“. So werden Lösungen verglichen, Forschungsergebnisse ausgetauscht und Kooperationen angestoßen. Das alles aber erscheint manchem Experten als ein bisschen zu wenig.

- Bis zum Jahr 2050 soll Deutschland die weitestgehende Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien erreicht haben. (Foto: EWEA/Winter)
Die zentrale Rolle der Windenergie
Offenbar auch der Bundesregierung und ihrem Bundesumweltminister Röttgen. Er weiß um die Notwendigkeit engerer deutsch-französischer Verzahnung. „Zeit, dass sich was dreht“: „Windenergie wird eine zentrale Rolle im CO2-freien Energiemix der Zukunft spielen, nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus“, ist sein Credo. Deutschland soll nach seinen Worten bis zum Jahr 2050 die weitestgehende Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien erreicht haben. Bei der Stromversorgung werde dabei besonders die Offshore-Windenergie eine entscheidende Rolle spielen.
Millionen Tonnen CO2 vermieden
Innerhalb der nationalen Grenzen sieht das Umweltministerium gute Fortschritte: Für die Windenergie habe es einen wahren Boom gegeben. Rund 90.000 Beschäftigte hätten allein im Jahr 2009 einen Gesamtumsatz von rund 5,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im gleichen Zeitraum hätten die mehr als 21.000 in Deutschland installierten Windenergie-Anlagen etwa 37,8 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Gleichzeitig seien somit 30,2 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden worden.
Frankreich mit mühsamen kleinen Schritten
Und in Frankreich? Dort ist in der Nationalversammlung Ende Juni 2010 zum Thema Erneuerbare Energie mühsam ein neues Gesetz verabschiedet worden – in 300 Artikeln und nach etwa 3.000 Änderungsanträgen. In Bezug auf die Windenergie heißt es: Es werden Windenergie-Regionalpläne erstellt, ein neuer Windpark muss aus mindestens fünf Anlagen bestehen, der Mindestabstand zu Wohngebieten soll 500 Meter betragen - und dann kommt endlich das Wesentliche: In Frankreich sollen pro Jahr mindestens 500 Windenergie-Anlagen aufgestellt werden. Vorbildfunktion hat dies für viele nicht. Und der Beitrag der Koordinierungsstelle Windenergie dazu: „Die Koordinierungsstelle stellt ihren Mitgliedern eine Übersetzung der entsprechenden Gesetzes-Artikel zur Verfügung“.
[KS]
